was mit Medien


Welcher Artikel sollte ich sein?

Seit einiger Zeit geistern auf facebook Umfragen und Tests wie “Welches faszinierende Naturphänomen bist du?” oder “Wie gut kennst du dich mit der DDR aus?”. Dahinter stecken Webseiten, wie mein-wahres-ich.de. Es gibt ein wenig Werbung und die Möglichkeit selbige zu buchen, eine Datenschutz Erklärung und ein Impressum. Die Fragerunden sind je nach Geschmack mehr oder weniger unterhaltsam, die Fragen darin zum Teil sehr persönlich. Außerdem gibt es die Möglichkeit Ergebnisse direkt bei facebook oder twitter zu posten. Eigentlich eine harmlose Sache könnte man meinen.

Schaut man sich die Fragen an, kommt man vielleicht ins Grübeln. Fragen nach “ethischen Grundnormen”, Aussagen über die eigene Zuverlässigkeit und Tests wie in der Schule (Welches Wort sagt man auch für Moment?) lassen bei ehrlicher Beantwortung Rückschlüsse auf Persönlichkeit und Bildungsstand des Teilnehmers zu. Verknüpft man diese Informationen mit dem facebook oder twitter Account oder mit der email Adresse, mit der man sich auf der Seite registrieren kann sind diese Informationen bares Geld wert. Will man die Einzelergebnisse eines Tests wissen, so muss man zwingend seine email Adresse angeben.

Sowohl auf der Datenschutz Seite, als auch bei der Newsletter Anmeldung wird versichert, dass keine Daten an dritte weiter gegeben werden. Es finde keine Verknüpfung mit der IP Adresse statt, die Daten würden anonymisiert. Die Verknüpfung mit der IP ist aber auch wenig hilfreich, da die dahinter stehende Person ja nur dem Provider bekannt ist und die IP bei vielen Anschlüssen regelmäßig geändert wird. Eine Verknüpfung mit email Adresse oder facebook Profil dagegen würde dazu führen, dass die teilnehmende Person eindeutig identifizierbar wäre. Einen Hinweis auf eine solche Verknüpfung gibt es nicht. Fraglich ist, ob das immer so bleibt. Da sich die Umfrageergebnisse im laufe der Zeit zu einem veritablen Datenschatz anhäufen werden frage ich mich, wann die Betreiber diesen zu Geld machen wollen.

Wer sich jetzt fragt, ob das nicht paranoid ist kann mal einen Blick auf das hier werfen und kurz überlegen, ob nicht alle dafür nötigen Daten bereits irgendwo bekannt sind: http://binmitdabei.com/8381

 


Spaß mit den Medien

Ich war letzte Woche auf der Tegida (Tolerante Europäer Gegen die Idiotisierung des Abendlandes) Kundgebung. Wir hatten ein buntes Schild mit der Aufschrift “Kein Platz für Rassismus” dabei, das die Aufmerksamkeit diverser Fotografen auf sich zog und so sind Bilder von uns in der Mopo, dem freitag und der taz (Bild inzwischen geändert) zu sehen. Grundsätzlich ist das ja durchaus begrüßenswert, was die taz aber tat, hat uns doch staunen lassen. Aber seht selber:

Das Bild wurde so geschnitten, dass dort nur noch “Für Rassismus” zu lesen war. Ein kurzer Anruf in der Redaktion (“Oh, das geht ja gar nicht”) und zum Glück war das Bild zwei Minuten später verschwunden. Es tauchte in seiner ungeschnittenen Form auch in der Print Ausgabe auf, sie hatten also auch das Original. Durch unfassbar unfähiges Zuschneiden eines Bildes Unbeteiligte in die Nähe von Rassismus zu rücken, so abstrus ein Schild mit der Aufschrift “Für Rassismus” auch ist, finde ich einfach unglaublich dilettantisch. Vielleicht will die taz damit ja aber auch nur klar stellen, dass sie nicht zur Lügenpresse, sondern gar nicht zur Presse gehört. So wie die Bild oder die Märchenbücher in der Kinderabteilung bei Thalia.

 

taz_echtes_plakat

Das vollständige Bild hat die taz auch

 

PS: Abschließend noch eine kurze Anmerkung zum Bild aus dem freitag. Ich finde es ist nicht nur eine sehr gelungene Aufnahme, die das Gespräch zwischen dem kleinen türkischen Mädchen und Kathrin zeigt. Es fängt auch die durchweg kommunikative und positive Stimmung auf der Tegida Kundgebung am 05.01.2015 ein.